Ist die Welt so hektisch oder ist es mein Geist?

Der Twitter-Mönch Haemin Sunim bewegt mit seinen Worten die Menschen

In einer Zeit, die immer hektischer und oberflächlicher wird, sucht der buddhistische Mönch Haemin Sunim nach Entschleunigung.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass unsere Gesellschaft immer schnelllebiger wird. Die digitalen Entwicklungen, die im rasanten Tempo wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schießen, sind Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite rückt die Welt näher zusammen, der Austausch wird größer, die Kommunikation immer einfacher und früher schier unüberwindbar wirkende geographische Grenzen verlieren zusehends an Relevanz. Gleichzeitig steigt der Druck auf vielen anderen Ebenen: ständige Erreichbarkeit, dauerhafte Selbstoptimierung und ein nie enden wollender Wettlauf mit sich selbst treiben immer mehr Menschen langsam aber sicher in den Burn Out. Doch Hoffnung ist in Sicht! Im gleichen Maße, in dem wir uns selbst zwingen, an unsere Grenzen und darüber hinaus zu gehen, wächst auch das Bewusstsein, das es durchaus anders geht.

Nie zuvor waren Begriffe wie „Achtsamkeit“ oder „Work-Life-Balance“ so selbstverständliche Bestandteile unseres Alltags-Vokabulars. Was früher als verrücktes Spiri-Zeug abgetan wurde, hat heute längst seinen Weg in die Büros der internationalen CEOs und Manager gefunden. Das Bewusstsein, dass das Leben nicht als Dauer-Marathon funktioniert, ist also vorhanden, warum hapert es aber dennoch bei so vielen an der Umsetzung? Diese Frage hat sich auch der buddhistische Zen-Mönch Haemin Sunim gestellt. Der gebürtige Koreaner verließ vor vielen Jahren seine Heimat, um in den USA zu studieren. In Berkeley begann er ein Filmstudium, in Harvard und Princeton studierte er Religionswissenschaft und Psychologie. Und er lernte die wilden Seiten des Westens kennen. Die Städte, die niemals schlafen, die Partys, die niemals enden. Mit der Zeit merkte der junge Mann, dass ihm etwas fehlte, ein tieferer, spiritueller Sinn. Er verließ die Vereinigten Staaten, ging zurück nach Südkorea und wurde Mönch.

Und heute? Heute lebte Haemin Sunim abwechselnd in Seoul und New York und schreibt Bücher, die Millionen Leser erreichen. In seiner Heimat ist er bereits seit Jahren ein echter Star, tausende Menschen pilgern regelrecht zu seinen Vorträgen und Seminaren und fragen ihn um Rat. Außerhalb Koreas wurde er einem breiteren Publikum zunächst vor allem als der „Twitter-Mönch“ bekannt. „Wenn alles um mich herum immer schneller wird, halte ich inne und frage mich: Ist die Welt so hektisch oder ist es mein Geist?“, sagt Haemin Sunim, dessen Name so viel wie „Bruder flinke Weisheit“ bedeutet (Sunim = Bruder, Haemin = flinke Weisheit). Zur Ruhe zu kommen, innezuhalten im Trubel des Alltags sei gar nicht so schwer, wenn man einige grundlegende Dinge beachtet, meint Haemin. Weder muss man dafür ein Meister der Meditation sein, noch ein ausgebildeter Mönch.

Enttäuscht dich das Leben, komm einen Moment zur Ruhe

„Als Zen-Mönch und ehemaliger Professor an einem kleinen Liberal-Arts-College in Massachusetts werde ich bei Lebensproblemen oft um Rat gebeten“. schreibt Sunim in seinem Buch Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehs. „Vor einigen Jahren bin ich dazu übergegangen, meine Ratschläge nicht nur persönlich oder per E-Mail mitzuteilen, sondern auch Fragen in sozialen Netzwerken zu beantworten – es machte mir Freude, mit anderen Menschen auf diese Weise in Kontakt zu kommen. In der Regel verfasste ich ein paar kurz gehaltene Zeilen, einfach und geradeheraus.“ Diese kurz gehaltenen Zeilen entwickelten sich irgendwann zu einem ganzen Buch, das inzwischen beinahe weltweit erhältlich ist. Das Geheimnis des Erfolgs dieses liebevoll gestalteten Büchleins liegt laut Haemin Sunim vor allem in der einfachen Umsetzbarkeit der erteilten Ratschläge. Die Situationen und Beispiele, die der Mönch aufgreift, kennen wir alle: Überfüllte U-Bahnen, unfreundliche Chefs, Ärger in der Beziehung – all dies sind Dinge, die zu unserer Rastlosigkeit und inneren Unruhe beitragen, die wir aber mit ein wenig Achtsamkeit ändern und in eine positive Richtung umlenken können.

Selbst ein Mönch, insbesondere, wenn er ein erfolgreicher Autor ist, muss sich manchmal zur Achtsamkeit ermahnen: „Ehrlich gesagt, frage ich mich manchmal, ob ein Zen-Mönch so einen vollen Terminkalender haben sollte. Doch dann erkenne ich, dass nicht die Außenwelt ein Wirbelwind ist, sondern nur mein Geist. Die Welt hat sich noch nie darüber beschwert, dass sie so betriebsam ist. Wenn ich tiefer in mich hineinblicke, um herauszufinden, warum ich so ein geschäftiges Leben führe, wird mir klar, dass ich es bis zu einem gewissen Grad genieße, so aktiv zu sein.“ Und weiter schreibt Haemin: „Ist unser Geist fröhlich und mitfühlend, ist es auch die Welt; ist er voller negativer Gedanken, wirkt auch die Welt negativ. Wenn du also überlastet und hektisch bist, ruf dir in Erinnerung, dass du nicht machtlos bist. Wenn dein Geist innehält, kommt auch die Welt zur Ruhe.“

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